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Festschrift 125 Jahre
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Inhalt:
Vorwort
Von der Gründung bis zur Feuerschutzpolizei Anschluss und Kriegszeit Die zweite Republik Eine Freiwillige Feuerwehr im 21. Jahrhundert
Die Geschichte einer Hilfsorganisation wie die einer Feuerwehr ist immer die Geschichte von Männern
und in jüngster Zeit auch jene von Frauen, die bereit sind, für die Gemeinschaft, deren Sicherheit
und Wohlergehen tätig zu werden, und damit ein gesellschaftliches Engagement beweisen, das über das
übliche Maß hinaus geht.
Bei der Feuerwehr ist dieses Engagement sogar mit Gefahren für die Gesundheit
und das Leben der bei der Feuerwehr t ätigen verbunden und es muss daher an der Spitze einer
geschichtlichen Aufarbeitung einer Feuerwehr die dankbare Erinnerung an Jene stehen, die bei Einsätzen
ihr Leben lassen mussten.
Betrachtet man die zu manchen Jahrestagen erstellten Mannschaftsfotos der FF Wien-Breitenlee und liest die Namen der aktiv tätig
gewesenen Mitglieder, so zeigt allein die Namensgleichheit über viele Jahre, dass die Geschichte der Feuerwehr auch die Geschichte von etlichen Familien ist.
Viele Mitglieder, deren Väter und Großväter früher selbst bei der FF Wien-Breitenlee ihr Engagement zeigten,
setz(t)en durch ihren Einsatz eine jahrelange Tradition fort.
Die Geschichte einer Feuerwehr spiegelt aber auch die Geschichte des Ortes wider, in dem sie entstanden und verwurzelt ist, dessen Bevölkerung sie schützt.
Gerade in den letzten Jahren, in denen der 22. Bezirk einen enormen wirtschaftlichen und bevölkerungsmäßigen
Aufschwung erfahren hat, haben sich die Aufgaben für die FF Wien-Breitenlee mitgewandelt und im Rahmen von Ausbildung und Ausrüstung ist
diesen Veränderungen laufend Rechnung getragen worden. Bei all den Veränderungen der letzten 125 Jahre ist aber eines immer gleich geblieben: Ob der Alarm nun seinerzeit durch Kirchenglocken und Horn oder heute durch Sirene und Pager ausgelöst wird, immer haben und werden Männer und Frauen ihre Arbeitsstelle, Wohnung und Familien verlassen in vollständiger Unkenntnis über die sie erwartenden Aufgaben und Gefahren, sich unverzüglich auf die Wache begeben und sind dann nicht mehr Bauer, Gärtner, Arbeiter oder Angestellter, sondern ausschließlich Feuerwehrmann und Feuerwehrfrau.
Und wenn morgen die Sirene ertönt, wird das nicht anders sein als vor 125 Jahren.
Die Gründung der freiwilligen Feuerwehr Wien-Breitenlee fiel in eine Zeit des aufstrebenden Feuerwehrwesens
in Österreich. Denn obwohl die Notwendigkeit gemeinschaftlicher Einrichtungen zum Schutze der Bevölkerung
lange bekannt war, ermöglichten erst die sogenannten "Dezembergesetze" des Jahres 1967, die neben den allgemeinen
Rechten der Staatsbürger auch Vereins- und Versammlungsrechte definierten, die Bildung von Feuerwehren auf Vereinsbasis
im größeren Stile. Die geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen ermöglichten es auch, dass sich die bestehenden Feuerwehren
überregional vernetzten und Berzirks- und Landesverbände schufen. Die Gründung der FF Breitenlee - damals eine eigene Gemeinde zu Niederösterreich gehörend - erfolgte am 27.Juli 1880. Die 19 Gründungsmitglieder wählten Josef Bachheimer zu ihrem ersten Hauptmann. Die FF Breitenlee gehörte dem Jahre 1884 gegründeten Berzirksverband Groß-Enzersdorf an und war mit einer bespannbaren Handkraftspritze ausgestattet. Wie sehr - bereits in den früheren Jahren nach Gründung - die Hilfeleistungen nicht nur auf die engere Ortsumgebung bezogen waren zeigt, dass bis zur Führung eines Brandverzeichnisses im Jahre 1900 die FF Breitenlee nur vier Mal im eigenen Ortsgebiet bei Brandeinsätzen tätig werden musste, 31 Mal aber in Nachbargemeinden zur Hilfeleistung aufgefordert wurde. Auch in den Jahren danach, für die detaillierte Aufzeichnungen hinsichtlich der Brandeinsätze existieren, war die FF Breitenlee mehrheitlich in den Nachbarorten, insbesonders in Raasdorf, Kagran, Essling, Gerasdorf, Leopoldau, Süßenbrunn, Hirschstetten, ja sogar in Deutsch Wagram, tätig. Zwischen 1900 und 1924 gab es in Breitenlee selbst 7 Brandeinsätze zu verzeichnen. Die Pferdebespannung, die für die Erreichung der Einsatzorte notwendig war, wurde nicht nur von den Mitgliedern der Feuerwehr zur Verfügung gestellt, sondern auch von den anderen Bewohnern. Aus den Einsatzberichten dieser frühen Jahre lassen sich aber auch die technische Entwicklung und die Veränderungen, denen Orte wie Breitenlee im Laufe der Zeit unterworfen waren, deutlich ablesen. Waren es zu Beginn ihrer Tätigkeit vor allem Brände von Strohtristen oder Scheunen, die es zu bekämpfen galt, so taucht erstmals im Jahre 1907 ein Einsatzbericht über einen Fabriksbrand auf. Die Verbesserungen der verkehrstechnischen Infrastruktur und das Aufkommen der Eisenbahn führte zu völlig neuen Einsatzaufträgen für die FF Breitenlee. Statt Strohtristen oder Scheunen mussten in den Jahren 1921 und 1922 in Brand geratene Eisenbahnwaggons gelöscht werden.
Die Tätigkeit der FF Breitenlee fand im Jahre 1924 durch die Bevölkerung des Ortes eine besondere Anerkennung. Durch Mittel der Gemeinde Breitenlee unter ihrem damaligen Bürgermeister Anton Spatt, durch Unterstützung der Jagdgenossenschaft, aber insbesondere durch Spenden zahlreicher Ortsbewohner konnte die FF Breitenlee eine Kraust´sche 30 PS-Motorfeuerlöschspritze erwerben. Auch sie benötigte noch einen Vorspann, für den aber in den folgenden Jahren immer weniger Pferde, jedoch verstärkt Traktoren herangezogen wurden. Ihre Feuertaufe erlebte diese Motorspritze übrigens bereits 14 Tage nach Ihrer feierlichen Weihe am 24.August 1924 bei einem Großfeuer in Raasdorf. Im Einsatz war sie bis ins Jahr 1949, also über 25 Jahre. Diese lange Dientszeit war jedoch auch nur möglich, weil nicht zuletzt dank Ausrüstungsspenden aus der Bevölkerung, die technische Qualität des Gerätes laufend angepasst und teilweise auch modernisiert wurde. So wurde im Jahr 1931 die bespannbare Motorspritze mit einer elektrischen Beleuchtung ausgestattet. Während die Spritze sicher einen Quantensprung in der technischen Ausrüstung der Feuerwehr darstellte, blieb die Entwicklung der Kommunikationseinrichtungen auf der Strecke. Die Alarmierung der FF Breitenlee erfolgte noch immer durch Signalhörner, die sogar im Jahre 1928 nochmals erneuert wurden. Anfang der Dreißigerjahre lässt sich auch an den Einsatzberichten der FF Breitenlee ablesen, dass sich die Stadt Wien über der Donau zu entwickeln begann. Vor allem im benachbarten Floridsdorf, in Strebersdorf, Leopoldau, Stadlau und Aspern bestanden bereits Feuerwachen der Wiener Berufsfeuerwehr. Die erste Zusammenarbeit der FF Breitenlee mit der Wiener Berufsfeuerwehr ist mit 12.August 1933 dokumentiert, als bei einem Schuppenbrand im Haus Nr.11 die Berufsfeuerwehr von den Wachen Stadlau, Aspern und Donaustadt neben den Freiwilligen Feuerwehren Aderklaa, Essling, Raasdorf und Süßenbrunn zur Unterstützung ausrückte (entspricht der heutigen HFW Leopoldstadt der Wiener Berufsfeuerwehr). Bei den Brandaufzeichnungen der nächsten Jahre sind immer wieder Teilnahmen von Einheiten der Wiener Berufsfeuerwehr verzeichnet.
Ob die FF Breitenlee in den Jahren seit ihrer Gründung auch zu anderen Hilfeleistungen als Brandeinsätzen herangezogen worden ist, kann den Aufzeichnungen nicht entnommen werden. Der erste sogenannte "technische Einsatz" ist jedenfalls im Jahre 1934 verzeichnet: Bei Brunnenarbeiten im Hofe eines Landwirts wurde ein Breitenleer Namens Kainz von locker gewordenen, herabstürzenden Erdmassen verschüttet. Die Feuerwehren aus der Umgebung rückten aus und gruben einen Gang zu dem Verschütteten. Es gelang, ihn noch lebend zu bergen, kurz darauf erlag er jedoch im Krankenhaus seinen Verletzungen. Auf Grund dieser Darstellung ist jedenfalls anzunehmen, dass sich bereits in früheren Jahren die Feuerwehr nicht nur bei Brandeinsätzen auszeichnen konnte, sondern auch bei anderen Ereignissen, die Gefahr für Leib, Leben oder Vermögen der Bevölkerung von Breitenlee oder ihrer Nachbarorte bedeutete, helfen konnte. Es wird in der Folge auch noch deutlich zu sehen sein, dass sich die Aufgabengebiete der Feuerwehr zunehmend in Richtung Hilfeleistungen und technische Einsätze gewandelt haben und damit auch neue Anforderungen an Ausbildung, Material und Einsatzorganisation der Feuerwehr gesetzt wurden. In der Nacht des 12.März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich, das damit aufgehört hatte, ein souveräner Staat zu sein, ein. Am 24.Mai 1938 wurde Österreich in sieben Gaue aufgeteilt, und der Name auf Ostmark geändert. Mit 15.Oktober 1938 trat das Gebietsänderungsgesetz vom 1.Oktober 1938 in Kraft, wodurch Großwien enstand. Dabei wurden 97 niederösterreichische Gemeinden, die einen Ring um die ehemalige Bundeshauptstadt bildeten, an Wien angeschlossen. Das Stadtgebiet wurde von 178,4 auf 2.115,4 km² vergrößert und die Einwohnerzahl stieg von 1,874 Mio auf 2,087 Mio. Breitenlee und seine Nachbargemeinden waren Teil von Großwien geworden. Für den Brandschutz des neu geschaffenen Gaugebietes war die Feuerwehr der Stadt Wien zuständig, was die Eingliederung der Freiwilligen Feuerwehren der bis dahin selbstständigen Orts- und Stadtgemeinden bedeutete. Zur Betreuung und Wahrnehmung aller Angelegenheiten der Freiwilligen Feuerwehren wurde im Rahmen der Organisation der Feuerwehr der Stadt Wien eine eigene Geschäftsgruppe B17, geschaffen. Dass sich das NS-Regime bereits zu dieser Zeit auf kriegerische Auseinandersetzungen vorbereitete, zeigt sich unter anderem aus der Tatsache, dass den Feuerwehren im Rahmen des Reichsluftschutzbundes besondere Aufgaben zugeteilt wurden, und dass neben der Teilnahme an Vorträgen und übungen zum Thema Luftschutz auch Ausbildungen im Gasspüren und Entgiften für die Feuerwehren vorgesehen wurden. Die Amtsbezeichnung der Feuerwehr der Stadt Wien wurde auch auf "Gemeindeverwaltung des Reichsgaues Wien als Ortspolizeibehörde Kommando der Feuerwehrpolizei" (kurz Feuerschutzpolizei) abgeändert. Der Ordnungs- und Militarisierungswahn machte nicht einmal vor den Freiwilligen Feuerwehren halt. Denn selbst diesen wurden neue Dienstgrade und Dienstgradabzeichnungen zuerkannt und sie mussten sich nunmehr als Haupttruppenführer, Obertruppenführer, Truppenführer, Haupttruppenmänner, Obertruppenmänner oder Truppenmänner bezeichnen. Ab 1941 wurde das Stadtgebiet in sieben Feuerschutzsektionen und vier Gruppen eingeteilt. Die alten Kommandostrukturen, so auch der Bezirksverband Groß-Enzersdorf, zu dem Breitenlee seit 1894 gehörte, wurde aufgelöst. Die FF Breitenlee gehörte nun gemeinsam mit den Feuerwehren der Gemeindebezirke 2., 20., 21., und 22. der Gruppe Ost an. Neben den kriegsbedingten Entbehrungen bedeuteten Fliegerangriffe, Flächenbrände und kriegerische Auseinandersetzungen für die FF Breitenlee eine besondere Belastung. Am 5.November 1944 wurde Breitenlee bei einem Fliegerangriff getroffen, wobei zahlreiche Häuser beschädigt und mehrere vollständig zerstört eurden. Welch besonderer Gefahr die Feuerwehrleute bei dieser Art von Einsätzen ausgesetzt waren, zeigt auch, dass bei den Löscharbeiten im Zuge dieses Einsatzes die beiden Feuerwehrmänner Richard Kögl und Karl Bachheimer durch explodierende Brandbomben verletzt wurden. Dass Feuerwehreinsätze immer mit Gefahr für Leib und Leben der Mannschaft verbunden sind, musste die FF Breitenlee besonders dramatisch bei einem Einsatz am 30.August 1942 erfahren, als der Gerätewart Johann Bastasch bei einem Brand in der Vacuum Ölfabrik durch Brandwunden tödlich verunglückte. Bis in die letzten Kriegstage waren Mitglieder der FF Beitenlee durch die aus den kriegerischen Auseinandersetzungen verursachten Brände gefordert. Nach den Fliegerangriffen lag Breitenlee am 14.April des Jahres 1945 auch unter direktem Granatfeuer - die FF Breitenlee konnte durch ihren Einsatz regelmäßig verhindern, dass über die direkt betroffenen Objekte hinaus angrenzende Häuser und Gebäude Schaden erlitten. An diesem Tag war die so genannte Schlacht um Wien bereits zu Ende und die deutschen Truppen aus den größten Teilen der Stadt hinaus gedrängt. Die FF Wien-Breitenlee stand also zu einem Zeitpunkt noch in kriegsbedingtem Einsatz, als in weiten Teilen Wiens nach dem Ende der Kampfhandlungen der Wiederaufbau der Wiener Feuerwehr bereits begann. Am 27.April 1945 wurde die Wiederherstellung der Demokratischen Republik Österreich proklamiert und eine provisorische Regierung unter Dr. Karl Renner eingesetzt. Von dieser provisorischen Regierung wurde am 10.Juli 1945 die Verfassung der Stadt Wien aus dem Jahre 1931 wieder in Kraft gesetzt. Die Feuerschutzpolizei wurde aufgelöst. In den meisten Ortschaften, in denen früher eine Freiwillige Feuerwehr bestanden hatte, fanden sich Personen zusammen, die sich freiwillig für den Feuerwehrdienst zur Verfügung stellten und Löschgemeinschaften bildeten, obwohl es für ihre Tätigkeit gar keine Rechtsgrundlage gab. Da die Gemeinde - und in dem Fall die noch immer existierende Gemeinde Großwien - die gesetzliche Verpflichtung zur Besorgung des Feuerlöschdienstes hatte und ohne diese "Löschgemeinschaften" den Auftrag des Brandschutzes vor allem in den Randbezirken nicht erfüllen konnte, wurde dies vom Kommando der Wiener Feuerwehr zur Kenntnis genommen und die Löschgemeinschaften auch mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet. Obwohl unmittelbar nach Kriegsende einige Freiwillige Feuerwehren aufgelassen wurden, weil zum Teil kein Bedarf mehr bestand, oder weil auf Grund der personellen und materiellen Situation keine Gewähr für ein ordentliches Funktionieren des Feuerlöschdienstes gegeben war, bestanden Ende 1949 in Wien noch 79 freiwillige Löschgemeinschaften (Ortsfeuerwehren). Auch in Breitenlee bestand die Feuerwehr als Löschgemeinschaft mit einem Mitgliederstand von 27 Aktiven weiter. Dieser Zustand wurde erst dadurch beendet, als das gesamte Feuerwehrwesen - und damit natürlich auch der freiwillige Feuerwehrdienst durch ein Landesgesetz geregelt wurde, wie es bereits in den meisten Bundesländern der Fall war. Die Ortsfeuerwehr war mit Löschgeräten, Gerätschaften, Werkzeugen und Ausrüstungsgegenständen aus Eigentum der Gemeinde Wien ausgestattet . Die FF Breitenlee erhielt 1949 einen Gasspritzer und ein Aggregat von der Berufsfeuerwehr, welche die bespannbare Motorspritze aus dem Jahre 1924 ersetzten. In der wirtschaftlichen Not der Nachkriegszeit konnte allerdings die öffentliche Hand der Feuerwehr die notwendige Ausrüstung nur teilweise zur Verfügung stellen. Die Arbeitsuniformen der Mannschaft wurde aus eigenen Mitteln der Wehr - im Wesentlichen aufgebracht durch Spenden - angeschafft. Mit dem Inkrafttreten des Gebietsänderungsgesetzes am 1.September 1954 schieden 80 der sogenannten Randgemeinden, also jener ehemaligen 97 niederösterreichischen Gemeinden, die im Jahre 1938 in Wien vereinigt worden waren, wieder aus dem Verband der Stadt Wien aus. Damit wurden auch 77 Freiwillige Feuerwehren aus Wien ausgegliedert und es verblieben nur mehr die FF Weidlingau, Breitenlee und Süßenbrunn (von denen heute nur noch die beiden Letzteren existieren). Im Jahr 1955, einem für Österreich durch den Abschluss des Staatsvertrages besonders bedeutenden Jahr, konnte die FF Breitenlee auch ihr 75-jähriges Gründerfest feiern. 1957 beschloss der Wiener Landtag das Wiener Feuerwehrgesetz, auf dessen Basis die Verordnung der Wiener Landesregierung über die Freiwilligen Feuerwehren im Lande Wien erlassen wurde (d.s. jene Rechtsgrundlagen, die für die FF Breitenlee auch heute noch Geltung haben). Durch diese Vorschriften wurde einerseits klar gestellt, dass die Freiwilligen Feuerwehren ab diesem Zeitpunkt öffentliche Feuerwehren und Einrichtungen der Stadt Wien waren, sie der Dienstaufsicht des Magistrates unterstellt wurden und somit die taktische Organisation der Feuerwehr mit den taktischen Vorschriften für die Berufsfeuerwehr einher gingen. Auch die Bezeichnung "Freiwillige Feuerwehr Wien-Breitenlee" ist in diesem Gesetz geregelt. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen haben der Feuerwehr aber auch materielle Sicherheit gebracht. Fahrzeuge, Löschgeräte, Ausrüstungsgegenstände und Dienstbekleidung werden nunmehr von der Stadt Wien bereit gestellt. Die Abhängigkeit von Spenden und Eigenleistungen wurde damit beendet. Die Sicherheit hat sich dann im Jahr 1960 gleich mehrfach materalisiert. Die FF Breitenlee erhielt von der Berufsfeuerwehr ein Tanklöschfahrzeug mit 1.500 l Inhalt und ein Aggregat. Weiters wurde auch die alte Sirene auf dem Schlauchturm abmontiert und durch eine neue ersetzt. Letztere Maßnahme war auch Ausdruck dessen, dass die Alarmierung der FF Breitenlee ab sofort durch die Nachrichtenzentrale der Stadt Wien erfolgte. Trotz dieser technischen Verbesserung war die Wehr noch nicht so ausgestattet, dass es ihr möglich war, sämtliche ihr übertragenen Einsätze zu erfüllen. Besonders spürbar war das Fehlen von Atemschutzausrüstung bei Wohnungs- oder Kellerbränden. Doch nicht nur die technische Ausstattung, auch die räumliche Situation wurde in den nachfolgenden Jahren immer unbefriedigender. Die ersten Planungen für ein neues Feuerwehrhaus wurden schon 1966 angestellt und es wurde auf einen baldigen Baubeginn die Breitenleer Straße 268; der tatsächliche Bau erfolgte dann im Jahre 1974. In diesem Jahr erhielt die FF Breitenlee auch ein neues Tanklöschfahrzeug, denn das seit 1960 im Dienst befindliche wurde wegen Betriebsunfähigkeit 1973 sogar von der Behörde eingezogen. Zu den Aufgaben einer Freiwilligen Feuerwehr gehören neben der direkten Einsatztätigkeit, d. h. der Abwendung von Gefahren, die dem Einzelnen oder der Allgemeinheit bei Bränden und anderen öffentlichen Notständen drohen, auch die Pflege und Instandhaltung der zur Verfügung gestellten Mittel und die Abhaltung regelmäßig ausreichender Übungen theoretischer und praktischer Natur. Diesem Auftrag ist die FF Wien-Breitenlee immer nachgekommen. Selbst in Jahren mit wenigen Einsätzen zeigen die Aufzeichnungen und Statistiken das hohe Engagement der Mitglieder bei zahlreichen Übungen, die gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr oder Nachbarfeuerwehren abgehalten wurden. Dazu kamen natürlich auch Kurse und Ausbildungsmaßnahmen, die für die Einsatzorganisation notwendig waren, wie Maschinisten- oder Gruppenkommandantenkurse, die absolviert werden mussten, um der Wehr die notwendigen Fach- und Führungsstrukturen zu sichern. Die Integration der FF Breitenlee in den Verbund der Wiener Feuerwehr führte auch dazu, dass bei Größeinsätzen im Wiener Stadtgebiet die FF Wien-Breitenlee direkt oder als Unterstützung der Berufsfeuerwehr zum Einsatz kommt. Markante Einsätze waren für die FF Wien-Breitenlee am 8.Februar 1979 der Großbrand des Kaufhauses Gerngroß oder der Brand der Nationalbank am 30.August 1980. Seit Ende der Siebziger Jahre und Anfang der Achtziger Jahre ist ein deutliches Ansteigen der Einsatzzahlen festzustellen. Mehr als 10 Einsätze waren nun nicht mehr eine Ausnahme sondern vielmehr bereits die Regel. Zum 100-Jahr-Jubiläum der FF Wien-Breitenlee im Jahre 1980 zeigte sich damit die uneingeschränkte Notwendigkeit einer derartigen Einrichtung. Im Jahre 1986 wurde mit der Durchführung der Atemschutzausbildung begonnen. Mit dem Erhalt eines Rüstlöschfahrzeuges, das mit Atemschutzgeräten ausgestattet ist, wurde letztendlich das letzte technische Manko, das die Freiwillige Feuerwehr vom Ausrüstungsstandard der Berufsfeuerwehr unterschied, beseitigt. Wie stark die Anforderungen an die Qualität und den technischen Standard der Ausrüstung in den letzten Jahren allerdings gestiegen ist, wird auch dadurch deutlich, dass dieses Fahrzeug nicht wie seine Vorgänger Jahrzehnte im Einsatz stand, sondern bereits nach wenigen Jahren durch ein HLF (Hilfelöschfahrzeug), in welches noch im Jahr 1999 für die immer häufigeren Einsatzarten "Verkehrshindernis" und "Verkehrsunfall" ein Rettungssatz (Spreizer und Schere) eingebaut wurde, ersetzt wurde. Derzeit verfügt die FF Breitenlee über ein Bergelöschfahrzeug (BLF), das im Jahr 2000 in den Dienst gestellt wurde und das ebenso als Basiseinsatzfahrzeug bei der Wiener Berufsfeuerwehr bauart- und ausstattungsgleich im Einsatz ist. Die Verbesserung der technischen Ausstattung der Wehr war auch dringend erforderlich, denn Ende der Achtziger Jahre nahm die Zahl der jährlichen Einsätze weiter zu. Es verging kein Jahr, in dem nicht mindestens 25 Einsätze geleistet werden mussten. Obwohl die Beanspruchung der Mannschaft aus Übungen und Einsätzen deutlich anstieg, konnten erfreulicher Weise immer wieder junge Menschen vom Dienst bei der Feuerwehr begeistert werden, sodass der Mannschaftsstand der FF Wien-Breitenlee über all die Jahre konstant hoch blieb. Die FF Wien-Breitenlee vergaß aber nie den sozialen Aspekt ihrer Tätigkeit hoch zu halten und Wert zu schätzen. Mit der Florianimesse im Mai und dem Feuerwehrheurigen (früher: Feuerwehrkirtag) im August ist die Mannschaft der FF Bereitenlee auch für zwei markante gesellschaftliche Ereignisse im Ortsgebiet verantwortlich. Bei diesen Anlässen zeigen nicht nur die Mitglieder der Feuerwehr, sondern auch deren Angehörige ihr großes Engagement für die FF Wien-Breitenlee. Bei verschiedenen Anlässen (Teilnahme an Schulfesten, Teilnahme am alljährlichen Feuerwehrfest "Am Hof") und bei Großveranstaltungen werden von den Mitgliedern der FF Breitenlee die Themen Brandschutz, Brandverhütung und das Feuerwehrwesen durch eigene Präsenz öffentlichkeitswirksam unterstützt. Gerne wird auch Schülern und Kindergartenkindern im Rahmen von Schulfesten oder Führungen ein Eindruck über die Tätikeiten und Aufgaben der Feuerwehr vermittelt. Die Öffentlichkeitsarbeit bei Jugendlichen wurde von der FF Breitenlee durch Übernahme der Patenschaft für die neue Volksschule Breitenlee institutionalisiert. 1996 verzeichnete die Wehr erstmals in ihrer langjährigen Geschichte mehr als 50 Einsätze im Jahr - ein Wert, der auch in den Folgejahren kaum mehr unterschritten wurde. Die letzten Jahre haben für Breitenlee, wie für den gesamten 22. Wiener Gemeindebezirk, eine dynamische Entwicklung gebracht. Eine starke Neubautätigkeit ging einher mit der Weiterentwicklung der verkehrstechnischen Infrastruktur und hat damit für die FF Wien-Breitenlee neue Aufgaben und Herausforderungen geschaffen. Der Ausrückebereich der Wehr von der Stadtgrenze bis zum Gewerbepark Stadlau wird heute nicht mehr in jenem Ausmaß von landwirtschaftlichen Nutzflächen geprägt wie noch vor einigen Jahren. Supermärkte, Einkaufszentren, eine Schnellstraße und zahlreiche neu errichtete Wohngebäude haben eine neue Risikosituation geschaffen. Dies spiegelt sich auch in den Einsatzstatistiken der FF Wien-Breitenlee der letzten Jahre wider. Zwar brennen immer noch Strohtristen und Schuppen, die Mehrzahl der in der Zwischenzeit auf jährlich 70 Einsätze angestiegenen Ausrückungen sind aber Verkehrsunfälle, Verkehrshindernisse und ausgelöste Brandmeldeanlagen. Die in Abstimmung mit der Berufsfeuerwehr der Stadt Wien neu strukturierte Ausbildung, und das intensive eigens gestaltete Übungsprogramm, schaffen die Basis, dass diese Herausforderungen von der Wehr regelmäßig in optimaler Qualität erfüllt werden können. Im Ausrüstungsbereich wurde mit der Übernahme der Kleidungsordnung der Berufsfeuerwehr und der damit verbundene Erhalt der neuesten Schutzbekleidung für die Mannschaft die letzte Unterscheidung zur Berufsfeuerwehr beseitigt. Die FF Wien-Breitenlee stellt damit im 125. Jahr ihrer Geschichte nicht nur eine eigenständige Einheit für Einsätze einer Löschgruppe im eigenen Ausrückebereich dar, sie ist auch eine vollständig integrierte Einheit im Rahmen der Einsatzorganisation der Wiener Feuerwehr. Das zeigt sich immer wieder in den konkreten Einsätzen, wie etwa beim Großbrand des Rinterzeltes im Jahr 2003, aber auch daran, dass die FF Breitenlee die Wiener Feuerwehr bei Großübungen mit niederösterreichischen Feuerwehren vertreten konnte oder an Großübungen der Berufsfeuerwehr teilnimmt. Und so kann der Bevölkerung von Breitenlee und der Stadt Wien nach 125 Jahren versichert werden, dass die Mitglieder der FF Wien-Breitenlee ihren Aufgaben, die Stadt und ihre Bevölkerung zu schützen, mit großem Engagement und entschiedener Einsatzbereitschaft, auf hohem Ausbildungs- und Qualitätsniveau auch in den nächsten Jahren weiter nachkommen werden. |